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Nach dem Boomjahr 2010 hat sich das globale Wachstum wieder verlangsamt. Nach einem globalen BIP-Plus von 3,7 % in 2011 rechnet der IWF für dieses Jahr mit einem ähnlich moderaten Zuwachs von 3,6 %, während er für 2013 ein Plus von 4 % in Reichweite sieht. Gleichwohl betont er die erhöhten Risiken, die von Europa und den Rohölmärkten ausgehen. Die globale Abschwächung schlägt sich auch beim Welthandel nieder. Gemäß den neuesten WTO-Zahlen ist der Welthandel 2011 real um 5 % gestiegen, das entsprach knapp dem Durchschnitt der letzten beiden Jahrzehnte. In der vielbeachteten WTO-Rangliste konnte China seine Spitzenposition als Exportweltmeister ausbauen, Deutschland verpasste knapp die Silbermedaille.
Weltwirtschaft 2011/12 mit moderatem Wachstum von 3,5 %
Nach dem Boomjahr 2010 mit einem Plus von 5 % hat sich das globale Wachstum wieder verlangsamt. Auch wenn sich die europäische Schuldenkrise zuletzt etwas entspannt hat, bleiben deren Abwärtsrisiken für die Weltwirtschaft erhalten (vgl. dazu auch unseren Artikel "Europa 2012: Alte Probleme und neue Konjunktursorgen" vom Februar 2012). Wichtige EU-Länder erleben entweder "Quasi-Stagnation" (Frankreich, Großbritannien) oder stecken in der Rezession (Spanien, Italien). Dies geht auch an Schwellen- und Entwicklungsländern nicht spurlos vorüber, zumal sich die Dynamik in wichtigen Emerging Markets wie China, Indien und Brasilien schon vorher verlangsamt hatte.
Nach einem globalen BIP-Plus von 3,7 % in 2011 rechnet der Internationale Währungsfonds (IWF) in seinem jüngsten World Economic Outlook für dieses Jahr mit einem ähnlich moderaten Zuwachs von 3,6 %, während er für 2013 dann ein Plus von 4 % in Reichweite sieht. Als gutes Omen darf dabei gewertet werden, dass der IWF damit seine Prognosen gegenüber den Einschätzungen vom Januar leicht nach oben angepasst hat. Gleichwohl betont er erneut die erhöhten Risiken, die von Europa und den Rohölmärkten ausgehen. So lag der wichtige Brent-Ölpreis in den ersten vier Monaten - trotz der schwächeren Konjunktur - bei rund 120 $/Barrel nach 111 $ im Jahresdurchschnitt 2011.
Welthandel 2011: Normalisierung nach Vorjahresboom
Die globale Abschwächung schlägt sich auch beim Welthandel nieder. Gemäß den frischen Zahlen der Welthandelsorganisation WTO ist dieser in 2011 in realer Rechnung um 5 % gestiegen, das entsprach knapp dem Durchschnitt der letzten beiden Jahrzehnte. 2010 hatte der Anstieg zwar 14 % betragen, damit wurde aber nur der Rekordeinbruch des Krisenjahres 2009 aufgeholt. Der Welthandel wurde letztes Jahr durch mehrere Schocks in Mitleidenschaft gezogen. Dazu zählt natürlich die europäische Staatsschuldenkrise, aber auch der Ausfall der libyschen Ölproduktion, der die afrikanischen Exporte signifikant dämpfte. Wichtigste Faktoren dürften aber auch die Tsunami- und Reaktorkatastrophe in Japan und die Überschwemmungen in Thailand gewesen sein. Dadurch wurde nicht nur die einheimische Wirtschaft massiv in Mitleidenschaft gezogen, sondern auch die immer stärker vernetzten internationalen Wertschöpfungsketten empfindlich gestört, wovon gerade asiatische Firmen betroffen waren. Wird der Produktionsausfall zum Beispiel durch Zusatzschichten nachgeholt, liegt hierin immerhin ein gewisses Aufholpotential für dieses Jahr.
WTO-Exportrangliste: Deutschland verpasst knapp die Silbermedaille
In der vielbeachteten, in US-Dollar ausgewiesenen WTO-Rangliste der Warenexporteure konnte China seine Spitzenposition, die es seit 2009 innehat, weiter ausbauen (vgl. Tab. 1). Dahinter tauschten die USA und die Bundesrepublik die Plätze, wobei der Vorsprung der USA mit 1.481 Mrd. $ zu 1.474 Mrd. $ denkbar knapp ausfiel. Japan folgte mit deutlichem Abstand auf Platz 4. Auf den Rängen 5 bis 11 findet man mit den Niederlanden, Frankreich, Italien, Belgien und Großbritannien immerhin fünf weitere EU-Länder.
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Tabelle 1: Wichtigste Welthandelsnationen 2011
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Als Ursache für das deutsche Abrutschen auf Platz 3 ist die Eurokrise zu sehen, da die Aus-fuhren Deutschlands durch die Wachstumsschwäche in den kriselnden Euro-Ländern über-durchschnittlich in Mitleidenschaft gezogen wurden. Wechselkursveränderungen waren - anders als zunächst vermutet - nicht die Ursache, denn im Jahresmittel hat der Euro 2011 mit 1,39 $/€ um 5 % zum US-Dollar aufgewertet, was den Dollarwert unserer Ausfuhren sogar erhöht hat.
Dafür konnten die deutschen Warenausfuhren 2011 erstmals die magische Billionen-Schwelle knacken. Mit 1.060 Mrd. € wurde der Rekordwert des Vorjahres um 108 Mrd. übertroffen. Auch die deutschen Warenimporte legten zweistellig auf 902 Mrd. € zu. Daraus ergab sich ein Handelsbilanzüberschuss von 158 Mrd. €, das sind gut 6 % des BIP. Das Plus in der übergeordneten Leistungsbilanz fiel wegen der strukturell defizitären Übertragungsbilanz in Deutschland wie gewohnt etwas geringer aus, blieb mit 148 Mrd. € bzw. fast 6 % des BIP aber auf dem Niveau der Vorjahre.
Da die deutschen Exporte 2012 trotz der langsameren weltwirtschaftlichen Gangart zumindest ähnlich stark wie die deutschen Importe wachsen dürften, wird sich der Aktivsaldo in unserer Handels- und Leistungsbilanz weiter leicht vergrößern - auf schätzungsweise 165 Mrd. € bzw. 150 Mrd. €.
EWU-Handelsbilanz zeigt nur ein Mini-Plus
Trotz der hohen Überschüsse der Bundesrepublik weist die Eurozone (EWU-17) seit Jahren nur einen kleinen Aktivsaldo beim Warenhandel aus, der sich 2011 auf gerade einmal 5 Mrd. € belief. Die Leistungsbilanz war mit - 30 Mrd. € sogar leicht defizitär, allerdings ist der Pas-sivsaldo mit -0,5 % des BIP sehr moderat. Angesichts dieser Größenordnungen sind die Außenhandelszahlen - im Gegensatz zu den Haushaltsdefiziten in der EWU - an den Finanzmärkten bislang auch kaum ein Thema.
Hinter der quasi ausgeglichenen EWU-Handelsbilanz 2011 verbirgt sich aber eine bunte Mixtur von 5 Ländern mit einem Aktivsaldo (Deutschland, Niederlande, Irland, Belgien, Slowakei), während die übrigen 12 Länder einen Passivsaldo vermeldeten. Dabei ist auffällig, dass gerade die südeuropäischen Krisenländer mangels fehlender internationaler Wettbewerbsfähigkeit hohe außenwirtschaftliche Defizite aufweisen. Hier wird häufig ein "Geburtsproblem" der Euro-Zone gesehen, denn aufgrund der in der Währungsunion dauerhaft fixierten Wechselkurse haben die Krisenländer nicht mehr die Möglichkeit, ihre Außenhandelsposition auch mittels Abwertungen kurzfristig zu verbessern. Bei den potentiellen EWU-Beitrittskandidaten in Osteuropa wird dieser Aspekt deshalb sehr aufmerksam verfolgt. Da manche dieser noch nicht so marktwirtschaftlich gefestigten Volkswirtschaften derzeit auf das "Wechselkursventil" nicht verzichten können bzw. sich dies politisch nicht trauen, wird sich so mancher Euro-Beitrittstermin wohl noch weiter nach hinten verschieben.
IWF-Frühjahrstagung beschließt Mittelerhöhung
Auf der Frühjahrstagung von Internationalem Währungsfonds (IWF) und Weltbank Mitte April in Washington ist die erhoffte kurzfristige Aufstockung der IWF-Krisenabwehrmittel nach einigem Gerangel schließlich doch gelungen. Der IWF hat dabei Zusagen für die Aufstockung seiner Mittel um insgesamt 430 Mrd. $ erhalten. Die Gelder stammen im Wesentlichen aus den Industrieländern: Die Staaten der Eurozone hatten im Vorfeld der Frühjahrstagung 200 Mrd. US$ zugesagt, weitere Mittel kommen aus Japan (60 Mrd. US$) und kleineren Ländern (u. a. Großbritannien, Schweden, Norwegen, Dänemark, Polen, Südkorea, Singapur, Saudi Arabien).
Heftiger Gegenwind kam aus Nordamerika, aber auch von den wichtigsten Schwellenländern. So wollen die USA derzeit keinen Beitrag leisten und verweisen darauf, dass Europa ein reicher Kontinent sei. Die Europäer müssten die zentrale Rolle bei der Krisenbewältigung übernehmen. Kanadas Finanzminister Flaherty hält die Anstrengungen zur Bekämpfung der Krise in einigen Euro-Ländern für immer noch nicht ausreichend. Zudem forderte er neue Regeln, die es den Europäern schwerer machten sollten, an Krisenhilfen des Fonds zu kommen. Auch innenpolitisch dürfte der Beschluss in Deutschland alte Konflikte wieder aufleben lassen, denn die Bundesbank macht ihre Bereitschaft zur Aufstockung der IWF-Mittel unverändert von der Zustimmung des Bundestages abhängig.
Für die BRIC-Staaten erklärte Brasiliens Finanzminister Mantega, dass Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika noch keine Zusatzmittel für den IWF zusagen könnten, weil die Bedingungen in Hinblick auf die verabredeten IWF-Reformen nicht erfüllt seien. Dabei geht es vor allem um eine Stimmrechtsverteilung, die den veränderten weltwirtschaftlichen Gegebenheiten Rechnung trägt. Die BRIC-Länder drängen auf eine stärkere Partizipation, insbesondere die USA wollen ihren überproportionalen Einfluss noch möglichst lange erhalten.
Dieser Konflikt belastete auch die Neubesetzung an der Spitze der Weltbank, da der bisherige Präsident Zoellick aus den USA zur Jahresmitte sein Amt aufgibt. Mit dem US-Ökonomen Kim, der in Südkorea geboren ist, konnte Washington sich trotz einer erstmaligen Gegenkandidatur aus den Schwellenländern noch einmal durchsetzen. Die seit dem 2. Weltkrieg eingespielte Aufteilung - die Europäer stellen den Vorsitz beim IWF, die USA bei der Weltbank - dürfte in dieser Form nicht mehr lange aufrechtzuerhalten sein. Vielleicht wird das Thema schon beim kommenden Weltwirtschaftsgipfel der G8 vertieft, der am 18./19. Mai im amerikanischen Camp David stattfindet.
© Mai 2012, Akademie für Welthandel AG, Frankfurt am Main