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Nachdem die deutsche Energierechnung für die fossilen Brennstoffe schon 2006 und 2007 bei beachtlichen 64 Mrd. € lag, hat sie sich 2008 im Zuge der zeitweise rekordhohen Energie- und Rohstoffpreise noch einmal um ein Viertel auf 81 Mrd. € verteuert. Diese Summe entsprach einem Anteil von 10 % an den gesamten Wareneinfuhren. Die deutliche Verteuerung der Energieeinfuhren war zu fast gleichen Teilen der Öl- und der Erdgasrechnung zu verdanken. Insgesamt hielt sich der deutsche Außenhandel im Jahr 2008 angesichts der einsetzenden globalen Krise noch relativ gut - Handels- und Leistungsbilanzüberschuss erreichten fast das Niveau von 2007. Der konjunkturelle Einbruch wird sich bei den Jahreszahlen erst 2009 voll niederschlagen, beide Aktivsalden dürften sich auf ein zweistelliges Niveau zurückbilden.
Der deutsche Außenhandel konnte im Jahr 2008 zwar nicht mehr an die große Dynamik der Vorjahre anknüpfen, gleichwohl hielt er sich angesichts der einsetzenden Krise noch vergleichweise gut. Der gravierende konjunkturelle Rückschlag seit dem 4. Quartal wird sich bei den Jahreszahlen erst 2009 voll niederschlagen:
Im Zuge des trotz einsetzender Finanzmarktkrise lange Zeit noch robusten Wachstums der Weltwirtschaft erhöhten sich die deutschen Warenexporte um 3 % gg. Vorjahr auf 993 Mrd. € und verfehlten die symbolträchtige Billionen-Marke nur ganz knapp. Damit haben sie sich gegenüber 1998 immerhin mehr als verdoppelt. Im Zeitalter der fortschreitenden Globalisierung, insbesondere einer intensiveren weltweiten Arbeitsteilung und eines entsprechend wachsenden Güteraustauschs, waren jährlich neue Exportrekorde die Regel und daher kaum verwunderlich. | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
Da Weltwirtschaft und Welthandel im letzten Jahr um rund 3 % bzw. 4 % zulegten, vermochte "Made in Germany" keine Marktanteile dazu zu gewinnen. Trotzdem konnte die Bundesrepublik 2008 ihren Titel als Exportweltmeister noch einmal verteidigen. Dabei hat die VR China schon fast aufgeschlossen, während sich der Abstand zu den USA auf Platz 3 vergrößerte. | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
Die deutschen Warenimporte sind 2008 mit 6 % stärker als die Exporte gestiegen. Mit 814 Mrd. € erreichten auch sie einen neuen Rekordstand und lagen damit doppelt so hoch wie 1997. Neben der fortschreitenden internationalen Arbeitsteilung mit verstärktem Bezug von Vorprodukten spielten zuletzt natürlich auch Preiseffekte eine Rolle. Die Importpreise stiegen 2008 dabei um 5,2 % gg. Vorjahr, während die Exportpreise nur um 2,1 % zulegten. | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
Die Energieimporte hatten daran maßgeblichen Anteil. Sie stiegen 2008 um immerhin ein Viertel auf 81 Mrd. €, das entspricht einem Anteil von 10 % an den Gesamteinfuhren (vgl. dazu unser Special weiter unten). Dabei hat die letztjährige Euro-Stärke die Importe aus der Nicht-Eurozone noch verbilligt und gerade die starke Energie- und Rohstoffverteuerung etwas abgemildert. | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
Der Handelsbilanzüberschuss, also der Saldo aus Warenausfuhr und -einfuhr, ging 2008 wegen der größeren Importdynamik um 17 Mrd. auf 179 Mrd. € zurück. Das ist aber immer noch der zweitgrößte Aktivsaldo aller Zeiten, er lag um 20 Mrd. über dem Niveau der Jahre 2004-2006 (vgl. Tab. 1). Mit gut 7 % des BIP steht Deutschland hier weiter klar an der Spitze der Industrieländer. | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
Die unsichtbaren Transaktionen ("invisibles") zeigten 2008 wieder differierende Entwicklungen: 1) Kleinere Verbesserungen gab es bei der Dienstleistungsbilanz. Das chronische Defizit sank um 0,5 Mrd. auf 13 Mrd. €, wobei sich das Minus beim Reiseverkehr allein auf 35 Mrd. € belief. 2) Bei der Übertragungsbilanz stieg das Defizit um 1,5 Mrd. auf 33 Mrd. €: Innerhalb dieser unentgeltlichen Übertragungen sind die Netto-Zahlungen an die EU weiter auf 17,5 Mrd. € gewachsen. Das Minus der privaten Übertragungen summierte sich auf 16 Mrd. €, darunter -3 Mrd. € für die Heimattransfers der Gastarbeiter. 3) Bei den Erwerbs- und Vermögenseinkommen ging der Überschuss um 6 Mrd. auf 45 Mrd. € zurück, ausschließlich aufgrund rückläufiger Vermögenseinkommen. | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Unter Einrechnung der Ergänzungen zum Außenhandel - mit ihrem üblichen Defizit von 10,5 Mrd. € - ergab sich 2008 somit auch ein rückläufiger Überschuss in der übergeordneten Leistungsbilanz von 165 Mrd. € (nach 191 Mrd. €). Trotz des Rückgangs war auch dies der zweithöchste Aktivsaldo aller Zeiten. Er entsprach einem Anteil von 6,5 % des BIP, was Deutschland ebenfalls eine internationale Spitzenposition bescherte. | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
Anders als in den Vorjahren konnte die außenwirtschaftliche Flanke diesmal nichts zum Wachstum beitragen. Nachdem der Außenbeitrag 2007 noch 1,5 Prozentpunkte zum BIP-Plus von 2,5 % beisteuerte, ist das BIP-Wachstum 2008 mit 1,3 % geringer als die Inlandsnachfrage (+ 1,7 %) ausgefallen. | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
Rabenschwarzer Ausblick für 2009, leichte Hoffnung für 2010
Der IWF sieht erstmals seit dem 2. Weltkrieg kein Wachstum der Weltwirtschaft mehr, die WTO rechnet für den Welthandel mit einem Rückgang von 9 % in 2009. Auch der deutsche Außenhandel wird wegen der schweren Wirtschaftskrise erstmals seit 1993 wieder rückläufig sein. Während die Warenimporte noch mit einem leichten Minus von 5 % davonkommen könnten, dürften die Warenexporte zweistellig um mindestens 15 % einbrechen. | |
Der Außenbeitrag wird 2009 damit deutlich negativ ausfallen und so fast allein für den erwarteten BIP-Rückgang von vermutlich mindestens 5 % verantwortlich zeichnen. Die Inlandsnachfrage dürfte durch höhere Staatsausgaben und einen noch relativ robusten privaten Konsum stabilisiert werden. | |
Der enge Kampf um den Titel des Exportweltmeisters mit der VR China wird 2009 weitergehen. Da Peking durch die Weltrezession und vielfach fallende Preise ebenfalls ein Exportrückgang droht, bleibt das Rennen vorläufig offen. | |
Deutschlands Handels- und Leistungsbilanzüberschüsse dürften sich in dem negativen globalen Umfeld deutlich zurückbilden. Mit 80 Mrd. € (HB) bzw. 40 Mrd. € (LB) gingen beide auf ein zweistelliges Niveau zurück - mit 3,5 % bzw. 2 % des BIP wären dies langfristig sogar fast sinnvollere Größenordnungen. | |
Mit der im Jahresverlauf 2010 realistischen leichten Erholung der Weltkonjunktur wären dann auch in Deutschland eine Stabilisierung des Außenhandels und ähnliche außenwirtschaftliche Überschüsse wie 2009 denkbar. |
Nachdem die deutsche Energierechnung für die fossilen Brennstoffe schon 2006 und 2007 bei beachtlichen 64 Mrd. € lag, hat sie sich 2008 im Zuge der zeitweise rekordhohen Energie- und Rohstoffpreise nochmals um ein Viertel auf 81 Mrd. € verteuert. Dies war zu fast gleichen Teilen der Öl- und der Erdgasrechnung zu verdanken, auch wenn der zeitliche Verlauf wegen der verzögerten Gaspreisanpassung Unterschiede aufwies. Da dieses Jahr aufgrund der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise mit deutlich niedrigeren Energieeinfuhrpreisen bei Rohöl, Erdgas und Steinkohle als 2008 zu rechnen ist, wird sich auch die heimische Energierechnung kräftig verbilligen.
Rohöl
2008 wird sicherlich als Jahr extremer Preisbewegungen in die Annalen der Mineralölgeschichte eingehen. Bei der deutschen Rohölrechnung war dabei ein starker Anstieg um ein Viertel auf einen neuen Rekordwert von 51 Mrd. € zu verzeichnen. Dieser Wert ist doppelt so hoch wie noch im Jahr 2004 und eine Vervierfachung gegenüber 1999.
Bei der Mengenkomponente war 2008 ein erneuter Rückgang der Importe um 1,5 % auf 105 Mio. t zu vermelden. Das ist der niedrigste Einfuhrwert seit 2002 (zur Regionalstruktur vgl. Tab. 2). Die rückläufige Inlandsanlieferung (Importe + Inlandsförderung von 3 Mio. t) von 108 Mio. t korrespondiert diesmal aber nicht mit der Entwicklung des heimischen Mineralölverbrauchs. Nach Angaben der ESSO AG stieg der Inlandsabsatz 2008 sogar um 6 % auf 108 Mio. t. Die Zunahme war fast vollständig vom leichten Heizöl getrieben, dessen Absatz - nach dem Absturz in 2007 - um ein Drittel auf 30 Mio. t stieg. Dabei gab es ungewöhnliche und sprunghafte Nachfrageentwicklungen, wobei sich gute Nerven beim Endverbraucher auszahlten.
Obwohl die Einfuhrmenge 2008 leicht zurückging, hat die Energiepreishausse in den ersten drei Quartalen trotzdem zu einem neuen Rekord bei der deutschen Importrechnung geführt. Nach amtlichen Statistiken legte der Importpreis im Jahresdurchschnitt um ein Viertel auf 484 €/t zu. Trotzdem fiel dieser Anstieg noch "moderater" aus als bei den Rohölpreisen, denn der Brent-Jahresdurchschnitt 2008 nahm um ein Drittel auf 97 $/b zu. Deutschland hat also - wie viele andere Importländer auch - erneut von der damaligen Dollar-Schwäche profitiert. Der Euro wertete sich im Jahresmittel 2008 gegenüber dem US-Dollar um 7 % auf 1,47 $/€ auf und hat so zumindest einen Teil des Rohölpreisanstiegs kompensiert.
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Tabelle 2: Rohölimporte Deutschland - TOP 11
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Erdgas
Die deutsche Erdgasrechnung hat sich 2008 ebenfalls deutlich verteuert, und zwar um etwa 40 % auf 25,9 Mrd. €. Damit wird auch der bisherige Rekordwert aus dem Jahre 2006 um 5 Mrd. € übertroffen. Dabei war vor allem die Preiskomponente für die Verteuerung verantwortlich, auch wenn die Mengenkomponente leicht zulegte.
Der Grenzübergangspreis erhöhte sich im Jahresdurchschnitt 2008 um ein Drittel auf 7450 €/Terajoule (TJ). Da sich die Einfuhrpreise immer noch wegen der langfristigen Lieferverträge mit ein bis zwei Quartalen Verzögerung an der Ölpreisentwicklung orientieren, war hier ein anderer Jahresverlauf zu beobachten. Die Monatspreise stiegen von Januar bis November durchweg von 6226 €/TJ auf 8748 €/TJ an. Erst im Dezember legte der Einfuhrpreis den Rückwärtsgang ein, was sich bis weit ins Jahr 2009 fortsetzen dürfte. Da der Dezemberpreis aber um 12 % über dem Jahresdurchschnitt 2008 liegt, startet man hier mit einem Preisüberhang ins neue Jahr. Der Gaspreis dürfte sich damit im Jahresmittel 2009 nicht so stark wie der Ölpreis verbilligen.
Die Einfuhrmenge stieg durch Lageraufbau um 5 % auf 3,480 Mio. TJ, obwohl der Erdgasverbrauch 2008 gegenüber dem Vorjahr um 1 % auf 105,5 Mio. t SKE (Steinkohleeinheiten) abnahm. Denn trotz weiterer Zunahme des Bestandes an Gasheizungen und der etwas kühleren Witterung hielt sich der Verbrauch bei den privaten Haushalten infolge von Energiesparmaßnahmen und hoher Preise auf Vorjahresniveau. Der industrielle Erdgasverbrauch verminderte sich vor dem Hintergrund der konjunkturellen Eintrübung im 4. Quartal um 5 %. Der Erdgaseinsatz zur Stromerzeugung nahm um 9 % zu.
Fazit: Rekordhohe Energierechnung 2008 ...
Addiert man dazu noch die 2008 auf gut 4 Mrd. € gestiegene Steinkohlenrechnung, so ergibt sich für die Einfuhren der drei fossilen Energieträger ein neuer Jahresrekord von 81 Mrd. €, der wohl eine ganze Weile Bestand haben dürfte (vgl. Grafik 1). Nachdem die deutsche Energierechnung für die fossilen Brennstoffe schon 2006 und 2007 bei beachtlichen 64 Mrd. € lag, hat sie sich 2008 im Zuge der zeitweise rekordhohen Energie- und Rohstoffpreise also noch einmal um ein Viertel erhöht. Diese bislang höchste Energierechnung entsprach immerhin einem Anteil von 3,3 % des BIP (nach 2,6 % in 2007) und hat somit die inländische Kaufkraft gerade der privaten Haushalte stark gedämpft. Das hat insbesondere die Automobilindustrie negativ zu spüren bekommen.

... aber 2009: Deutlicher Rückgang auf das Niveau von 2005
Da die deutsche Einfuhrrechnung primär von der Preisentwicklung und damit dem Brent-Rohölpreis bestimmt wird, wird es 2009 trotz des langen und kalten Winters zu deutlichen Entlastungen kommen. Aufgrund der kalten Witterung in den ersten Monaten dürfte es 2009 zwar zu einer signifikanten Zunahme der für Heizzwecke benötigten Heizöl- und Erdgasmengen kommen. Die schwere Wirtschaftskrise dämpft aber den industriellen Verbrauch, so dass hier per Saldo die Importmengen des Vorjahres angesetzt werden. Die weltweit sinkende Ölnachfrage im Zuge einer immer wahrscheinlicheren globalen Rezession spricht gegen eine baldige und signifikante Preiserholung. Nachdem der Brent-Rohölpreis im ersten Quartal 2009 bei rd. 45 $/b lag, könnte es im nachfrageschwächeren Frühjahr noch etwas weiter abwärts gehen. Daran dürften auch evtl. weitere Angebotskürzungen seitens der OPEC wenig ändern. Im zweiten Halbjahr ist dann eine leichte Erholung denkbar, so das hier ein Brent-Jahresdurchschnitt 2009 von 45 $/b unterstellt werden soll. Der Euro dürfte 2009 eher eine leichte Verteuerung bewirken. Insgesamt würde sich die deutsche Ölrechnung dann um immerhin 20 Mrd. auf gut 30 Mrd. € verbilligen.
Beim Erdgas wird wegen des Preis-Anpassungsbedarfs an das niedrige Ölpreisniveaus von einem um 25 % niedrigeren Einfuhrpreis von 5550 €/TJ ausgegangen, das wäre das Niveau von 2007. Unsere Erdgasrechnung könnte dann 2009 mit knapp 20 Mrd. € um ein Viertel niedriger als im Vorjahr ausfallen.
Im Rahmen der skizzierten Ölpreis- und Verbrauchsentwicklung ist bei der deutschen Importrechnung für die fossilen Energieträger dieses Jahr mit einem massiven Rückgang um ein Drittel auf 50-55 Mrd. € zu rechnen. Diese Größenordnung hatte es zuletzt 2005 gegeben. Mit rund 2,2 % des BIP wäre auch die Belastung für die Volkswirtschaft erheblich geringer als 2008. Volkswirte sprechen angesichts des möglichen Entlastungsvolumens von immerhin 30 Mrd. € für 2009 schon von einem außenwirtschaftlichen Konjunkturpaket - was im Vergleich zu krisenbedingt wegbrechenden Exporten trotzdem aber nur einen geringen Konjunkturimpuls darstellen dürfte.
© April 2009, Akademie für Welthandel, Frankfurt am Main